In
den frühen 60er Jahren begründeten Tatsumi Hijikata und Kazuo Ohno
den Butoh Tanz in Japan. In Rückbesinnung auf die eigene Kultur
entwickelten Tänzer und Schauspieler einen neuen Tanzstil, dessen
Schwerpunkt nicht mehr auf der äußeren Form, sondern auf dem
Erforschen von inneren archaischen Bilderwelten beruht.
Der
künstlerische Aufstand des Butoh und seines Umfeldes gilt als die
japanische Variante des Bruches mit der Moderne, der sich zeitgleich
in westlichen Ländern ereignete (Fluxus, Happening etc.). Die
Aufkündigung des rationalen Konzepts der Welt führte analog zum
neuen Humanismus des Westens auch in Japan zum Entwurf eines neuen
Menschenbildes.
„Nackt
zu sein und unter der Haut wie wilde Tiere, das ist die Animalität,
auf die es ankommt; die hilflose und desolate Lage des Menschen
angesichts des Todes, wenn alle Affektation von ihm abgefallen ist“ King
Lear, Shakespeare
Butoh
konfrontiert uns mit unseren Grenzen, indem er Bilder von Zerfall,
Angst, Verzweiflung, Erotik, Ekstase, Wahnsinn wie auch Schönheit,
Zartheit, Erwachen und Lebendigsein evoziert. Er scheut vor keinem
Tabu zurück und umarmt das Paradoxe. Es ist die poetische Sprache
des Körpers, dessen konzentrative Langsamkeit und Stille vom wahren
Impuls des Lebens gebrochen werden kann.
Der
japanische Butoh Tanz hat heute weltweite Verbreitung und Anerkennung
gefunden und bleibt doch im Untergrund denn er ist unfassbar,
verborgen und undefiniert.
Einige
wichtige Vertreter der ersten Butoh Generation sind Ko Murobushi,
Tadashi Endo, Masaki Iwana, Akira Kasai, Charlotta Ikeda, Min Tanaka,
Yoko Ashikawa.
Foto Nourit Masson Sékiné: Kazuo Ohno